Zune 2: Das Märchen von Wunder-MP3-Player

By m2blogde

Zune.gifWer in den letzten Wochen die Berichterstattung über Microsofts Zune 2 gelesen hat, dürfte ungefähr Folgendes mitgenommen haben: der Zune ist fast so klein wie ein iPod Classic, er klingt genauso gut, es gibt ihn nun auch mit Flash, man kann nun auch DRM-ffreie Musik kaufen, er kennt nun Podcasts, man kann nun über WiFi synchronisieren und deshalb ist er genauso gut wie der iPod(<-???).

Die einzigen kritische Stimme kam von Walt Mossberg, der den Zune zwar für gut befindet, aber bemerkt, dass er mit der letzten Generation des iPods konkurriert und nicht mit Apple’s aktueller Palette.

Gerade der Umstand, dass Microsoft nun Podcasts unterstützt, hat wohl dazu geführt, dass viele Podcaster wie Leo Laporte dem Zune eine äusserst positive Bewertung verpassen. Dieser Darstellung möchte ich hier widersprechen.

Erstmal möchte ich anmerken, dass man den Podcastern(ausser Diggnation), welche den Zune loben, keinen Vorwurf machen kann. Die Hörerschaft für Podcasts ist in den letzten Monaten kaum gewachsen, was viele darauf zurückführen, dass einzig Apple Podcasts bisher hinreichend unterstützt. So verfügt jeder Mac, jedes iTunes, jedes Apple TV, jedes iPhone und jeder iPod über die notwendigen Fähigkeiten, die dem Zuhörer das Leben einfach machen. Bei Microsoft ist das anders. Ein “Out-of-the-Box”-Windows mit Mediaplayer kennt keine Podcasts und die XBox ist auch nicht besser.

Der Zune ist nun Microsoft’s erstes Produkt, der diesen Umstand ändert. Er integriert Podcasts in sein Menu, kann sie via WiFi downloaden und er kann sie ausserdem mittels Squirting mit anderen Zunes austauschen.

Soweit die Theorie.

Was keiner sagt:
Der neue Zune, mit allen seinen neuen Features, präsentiert mal wieder, was bei Microsoft alles falsch läuft.

Umständlich
Wie der Alte, so braucht auch der neue Zune eine spezielle Software. Auf die Titel im Mediaplayer kann er nicht zugreifen. Diese Marketplace-Software ist weit weniger mächtig als iTunes – sie unterstützt zum Beispiel keine Smart Playlists.

Auch beim bezahlen wird’s kompliziert. So bezahlt man Musikstücke, welche man im Marketplace kauft, mit so genannten Microsoft Points, welche man in einem Prepaid-Verfahren erwirbt. Was genau Microsoft gegen das Bezahlen mit realer Währung hat, bleibt bis zur Stunde unklar.

Musikstücke, die man mit Microsofts “Plays for shure”-Garantie erworben hat, kann der Zune immer noch nicht abspielen.

Undurchdacht
WiFi in mobilen Geräten ist eine tolle Sache. Nur wenn man WiFi in etwas einbaut, sollte man sich auch eine gute Anwendung dafür überlegen. Der Zune kann via WiFi squirten, synchronisieren und Podcasts laden. Er kann nicht im Web surfen, E-Mais abrufen oder Musik einkaufen. Das synchronisieren wird überall gross gelobt, nur sehe ich den Sinn nicht. Lässt man das Stromfressende WiFi wirklich die ganze Zeit an, nur um alle paar Tage mal zu synchronisieren?

Uneuropäisch
Auch den Zune 2 wird es wieder nicht in Europa geben. Microsoft schafft es bei gleiche Preisen wie Apple nicht, den Zune mit Gewinn zu verkaufen. Apple auf der anderen Seite, fährt an jedem iPod hohe Gewinne ein. Aufgrund dieses Verlustes hat CEO Steve Balmer einen Start des Zunes in Europa für frühestens Ende 2008 versprochen.

Unnfair
Hier kommt mein persönlicher Hit: Während Microsoft mit Verlust versucht, mittels Zune Apples Macht über den Musikmarkt zu brechen, versuchen sie zu gleich, in feinster Microsoft Manier einem anderen Unternehmen zu schaden. Die rede ist vom weltweiten Marktführer für Hörbücher Audible+.

Audibles setzt bei ihren Hörbüchern ein eigenes Format ein. Dieses kann aber jeder der möchte in seine Playyer integrieren. So gibt es über 100 Player die Audible abspielen können – natürlich auch alle iPods.

Bevor Microsoft allerdings ein fremdes Format unterstützt, friert die Hölle zu. So ist der Zune einer der einzigen MP3 Spieler, die keine Audible Books abspielen können. Man könnte nun sagen, dann kaufe ich meine Audiobooks wo anders, aber hier schlägt wieder Microsofts DRM zu. Die kleineren Wettbewerber Audibles setzen nämlich meistens Microsoft WMA-DRM ein, was dazu führt, dass sie wieder nicht Zune-kompatibel sind.

Universal
Wie auch sein Vorgänger, so ist wohl auch der neue Zune wieder mit der so genannten Universal-Steuer belegt. Hier geht es um einen Betrag, den Microsoft für jeden Zune an Universal bezahlt, weil Musikhörer ja scheinbar alle Diebe sind.

Kommentar
Als gläubiger Hörbuch-Verfechter war ich recht baff, dass es niemand zu stören scheint, dass Microsoft einen MP3 Player verkauft, der keine Hörbücher unterstützt. In diesem Feld ist der Zune selbst dem iPod der erste Generation von vor sechs Jahren unterlegen. Bedenkt man nun noch, dass der Classic mehr Speicher(160 GB statt 80) bietet, längere Akku-Laufzeiten hat und iTunes der Zune Software weit überlegen ist, so kann man den positiven Reviews nicht mehr viel abgewinnen, Der Support für Podcasts ist zwar lobenswert, aber solange dieser nicht in den Mediaplayer integriert ist, ist er auch nicht weiter von Bedeutung.

Eine Antwort zu “Zune 2: Das Märchen von Wunder-MP3-Player”

  1. genfood sagt:

    gut geschrieben.

    ich glaube ja, dass es hier wieder um den alten Glaubenskrieg – MS vs. Apple – geht.

    Wer sich partout nicht mit den Dingen aus dem Hause Apple anfreunden kann, muss wohl oder übel, auf das MS-Design zurückgreifen. Dann kommt natürlich auch eine etwas kritischere Sicht der Dinge uns aus “Old Europe” zu gute, um diese, nennen wir es, Kleinigkeiten zu bemerken.

    In diesem Sinn, ist doch schön, dass die Zune-Kids bei Audible aussen vor bleiben – das gibt uns wieder einen Bildungsvorsprung.

Einen Kommentar schreiben